Kunst in München

Das Interview entstand für den Katalog zur Plattformjubiläumsausstellung im März 2010

 

Jess:
Lass uns zunächst über eine Deiner aktuellen Arbeiten reden – das Video „it’s all so pretty“.
In dem Video löst Du ein altes Gemälde* quasi in seine Einzelteile auf und entwickelst daraus meiner Ansicht nach eine Art Malerei mit dem Computer. Ist das richtig?

Johannes:
Das verstehe ich auch so. Ich habe ja ursprünglich viel gemalt und bin erst seit zwei, drei Jahren bei der Videoanimation angekommen. Schon während ich noch malte fing der Computer an eine immer wichtigere Rolle im bildnerischen Schaffen einzunehmen. Zunächst in Form von Sujets aus Computerspielen, dann immer mehr über eine Gegenüberstellung und Kombination von digitalen und analogen Ästhetiken.
Man könnte ja sagen, der Computer hat heute als Handwerkszeug die manuellen künstlerischen Fähigkeiten im Bereich der professionellen Bildgestaltung abgelöst und geblieben sind die Künstler die sich weiterhin in diesem Medium bewegen. Gleichermaßen gibt es Künstler die mit modernen Medien arbeiten. Diese Trennung von dem ganzen bildnerischen Gewerbe und dem künstlerischen Gewerbe finde ich schon auch inhaltlich sehr spannend.
So kommt diese Malerei am Computer in dem aktuellen Film auch wieder stark zum Tragen – ohne dass der Film rein abstraktes Farbenspiel bleibt. Vielmehr lebt er ja durch das Zusammenspiel der klassischen Malerei im Originalbild, dessen digitaler Bearbeitung und der zwischengeschobenen Handlung.

Jess:
In den verschiedenen Sequenzen finden sich Referenzen zur Malereigeschichte:
Franz Ackermann, Albert Oehlen oder auch eine Art Fruhtrunk-Abstraktion könnte man in manchen Bildern entdecken. Ist das bewusst von Dir geplant, oder entsteht das während dem Machen in einer eher spielerischen Form?

Johannes:
Eine prominente Referenz hast Du übersehen: Michelangelos Schöpfung wird fast „wörtlich“ zitiert.
Es gibt natürlich eine Vorstellung zu Beginn wie ein Video aussehen soll, aber es entstehen über die Entwicklung weitere Ideen die das Gesamte erweitern und ergänzen. Das Schöne an der künstlerischen Arbeit ist ja, dass man frei von Vorgaben ausprobieren und herumspielen kann. Es ist mir schon wichtig von dieser Möglichkeit auch intensiv gebrauchen zu machen.

Jess:
Das Video geht aus von einem Landschaftsgemälde, zoomt in dieses hinein und löst es dann unterstützt von einem von Dir erstellten Soundtrack auf. Könnte das Video so im weiteren Sinne auch als Selbstportrait verstanden werden – damit meine ich Deine Entwicklung von der ruhigen Herkunft in die Bewegung des Videos hinein?

Johannes:
Ich denke schon, dass das zutrifft. Zum einen setzt sich die Videoarbeit ja mit meiner Heimat auseinander – das schließt eine Selbstbetrachtung ja quasi automatisch mit ein. Zum Anderen finde ich diese Interpretation der Entwicklung ins bewegte Bild hinein bildnerisch interessant, zumal sich am Ende alles wieder zurückentwickelt. Es wirkt eher als ob das alte Gemälde für die Dauer des eigentlichen Films zu leben begänne.

Jess:
Siehst Du in dem Sinn des „in die Bewegung hineins“ auch eine Parallele zu Deiner Entwicklung von der Akademie weg hier ins Leben an der Platform hinein?

Johannes:
Um ehrlich zu sein – richtig angekommen fühle ich mich noch nicht. In erster Linie sehe ich den Grund hierfür in den ganzen Dingen, die man als „Berufseinsteiger“ erst einmal so regeln muss – Jobs, Bewerbungen, etc. . Nachdem ich zudem privat doch ein Stück weit weg wohne nutze ich das Atelier noch nicht so intensiv wie ich mir das eigentlich vorstelle.
In jedem Fall aber sehe ich es sehr positiv, dass ich hier nach der Akademiezeit wieder einen anderen Kreis an Künstlern und damit ja auch wieder neue Sichtweisen kennen lerne. Allerdings geschieht dieser Austausch bei mir derzeit hauptsächlich über unser Atelier in dem die Fluktuation momentan recht hoch ist.


*Otto Stützel, die Amperbrücke bei Mitterndorf (1886)

 

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