Vorwort

Vor sechs Jahren habe ich mit meiner Bewerbungsmappe in der Akademie München die Runde gemacht. Im Kopf geblieben ist mir unter anderem folgende Aussage eines Professors: „Des is ja Malerei, da gehen’s zum Prof. Sauerbruch.“

 Nun, fast am Ende des Studiums angekommen, möchte ich diese häufig vorgenommene Zuordnung von Kunst nach Medien zum Thema machen. Beruht diese Einschätzung nicht auf einem zu handwerklichen Verständnis von Kunst? Kann dieses traditionelle Verständnis der Kunst bzw. der Kunstlehre heute, da die wichtigsten bildge-benden Medien nicht mehr durch Künstler sondern IT-Spezialisten und Industrie geprägt werden, tatsächlich noch aufrecht erhalten werden? Im Gegenteil – die Malerei und die traditionellen Kunstmedien erscheinen immer mehr als Relikt einer vergangenen Zeit, welches sich lediglich in einer technikentfremdeten Kunst noch halten kann. Doch ist der Computer als bildgenerierende und verarbeitende Maschine in jedem Haus des westlichen Kulturkeises an-gekommen. Wir machen digitale Fotos, Videos und Tonaufnahmen und bearbeiten sie. All das komplett digital.

Ich möchte in dieser Arbeit nun also digitale Bilder betrachten. Der Fokus liegt auf den digitalen Bildern des Kunstsystems, doch wird sich zeigen, dass es zwischen diesen und den übrigen Bildern eine Schnittmenge gibt. Die Bilder dieser Schnittmenge werden genau wie die analogen Malereien, die noch zuhauf entstehen, in die Arbeit aufgenommen. Das Ziel der Arbeit soll sein, ein Ordnungssystem für digitale Bilder heute zu entwickeln, welches sich nicht an den traditionellen Maßstäben der Medienzuordnung oder einem System aus Stilbegriffen orientiert. Eine sinnvolle Zuordnung zu Stilgruppen ist nur im Falle eines kompletten Überblicks über die Bilderflut möglich. Diesen Überblick kann ich auf Grund der Weite des Internets und der Gleichzeitigkeit der Bildentwicklung zu meiner Arbeit nicht geben. Die Gefahr einer Untersuchung am quasi lebenden Objekt ist immer, dass wichtige Ideen oder Bilder übersehen werden. Weiter wiederstrebt es mir, nach einem System zu ordnen, welches mich zwingen würde, gute Einzelarbeiten beiseite lassen zu müssen, um einen sinnigen Zusammenhang zu erhalten. Die Funktionsweisen und Problematiken der Kunstgeschichte nach Stilgruppen darf als bekannt gelten. Probleme einer rein medialen Zuordnung lassen sich bereits im oben genannten Zitat erkennen.

Zuerst zeige ich die Entwicklung der Computerkunst und ihrer ursprünglichen Ideen auf. Weiter arbeite ich Kernpunkte einer digitalen Ästhetik heraus. Es stellt sich die Frage, inwieweit Malerei dieser digitalen Ästhetik zuzuordnen ist. Aufbauend auf diesen Überlegungen wird ein Modell zur Kategorisierung digitaler Bilder entworfen.